Verantwortungsvoller Umgang mit Fremdkapital

Ratschläge für landwirtschaftliche Betriebe im Umgang mit Geld und in der Familie

Holzhausen. Über „Zukunft und Trends in der Landwirtschaft“ sprach der Unternehmensberater Benno Steiner am Donnerstagabend im Augustinersaal des Trachtenkulturzentrums vor rund 200 Landwirten. Es handelte sich um die erste gemeinsame Informationsveranstaltung der VR-Bank Vilsbiburg und der Raiffeisenbank Geisenhausen.

Der selbstständige Unternehmensberater Benno Steiner schaffte es auf lockere, humorvolle Art und Weise, die Zuhörerschaft bei seinem 90-minütigen Referat bei der Stange zu halten. Er zeigte Strategien für eine erfolgreiche Zukunft der bäuerlichen Betriebe auf, betätigte sich zugleich als Ehe- und Familientherapeut und als Erziehungsberater. Ganz nah an der Praxis gab er den landwirtschaftlichen Betrieben und ihren Familien Überlebenstipps im bäuerlichen Alltag. Dabei ging es ihm nicht um wissenschaftliche Begründungen, sondern eher um die allgemeine Verständlichkeit.

Steiner setzte bei der Preisentwicklung in der Landwirtschaft an und machte Hoffnung für die nächsten Monate: "Es schaut gar nicht so schlecht aus". Die Zukunftspreise für Schweinefleisch, für Weizen und Milch würden in den nächsten Monaten seiner Ansicht nach nur eine Tendenz kennen, nämlich aufsteigend. Die betriebliche Fläche der Bauernhöfe sei nur einer der Erfolgsfaktoren des Landwirts: "Wenn Ihr Nachbar mehr Fläche hat, aber ansonsten ein Depp ist, sind Sie ihm dennoch überlegen", versuchte er Mut zu machen. Aus einem Quadratmeter Boden könne man 600 Gramm Brot gewinnen, Treibstoff für sieben Kilometer Autofahrt oder Platz für Flora und Fauna schaffen. Er gab deshalb den Landwirten den guten Rat, im geschickten Umgang um Ausgleichsflächen gute Geschäfte zu tätigen.

„Kommt meine Mannschaft mit?“

Beim Kapital warnte er die Betriebsleiter trotz der Niedrigzinsphase, zu viele Schulden anzuhäufen. Jedes Darlehen müsse man zurückbezahlen, erinnerte der Referent. Der Landwirt müsse sich vielmehr fragen: "Was kann ich mir leisten?". Für den Betrieb solle man eine Kapitaldienstgrenze ziehen und frühzeitig den Kontakt zum Geldinstitut suchen. Für einen Landwirt werde die Unternehmereigenschaft immer wichtiger, betonte Steiner. "Gehen Sie mit Fremdkapital verantwortungsvoll um", warnte er.

Ein weiterer wichtiger Faktor im bäuerlichen Betrieb sei die Arbeit der Familienmitglieder. Er wies die Landwirte darauf hin, dass bei Problemen die Bäuerin den Hof verlassen könnte, wenn man keine Zeit füreinander habe, nicht miteinander spreche und das Geld knapp werde. Die Männer würden die Probleme eher verdrängen, zum Tunnelblick neigen und schließlich an Burn-Out erkranken. Auch die psychische Labilität bei Kindern der Landwirtsfamilien würde zunehmen, so Benno Steiner. Immer mehr zu arbeiten, sei keine Lösung. Vielmehr müsse man sich die Frage stellen: "Kommt meine Mannschaft, meine Familie noch mit?"

Als Strategietechniken riet Benno Steiner den Landwirtsfamilien, die Effizienz des Hofs zu steigern, Fehler im eigenen Betriebsablauf zu erkennen und sich vor allen Dingen die Frage zu stellen, wie viel Geld man im Jahr verdienen wolle. Erst dann solle man sich entscheiden, wachsen zu wollen und größer zu werden – aber dies nicht zu schnell. Bei finanziellen Problemen sei ein weiteres Standbein manchmal eine gute Lösung. Je verrückter die Idee dazu sei, desto besser könne sie manchmal funktionieren. Der Unternehmensberater fragte die Landwirte, was gegen einen Nebenerwerb der Bäuerin spreche, die in ihrem alten Beruf Geld verdienen wolle. Auch riet er, Gemeinsamkeit mit anderen landwirtschaftlichen Betrieben zu schaffen.

Gesprächskultur auf dem Hof

Der unzufriedene Blick in die Vergangenheit bringe den Landwirt nicht weiter. Oftmals müssten auf dem Hof Entscheidungen getroffen werden, zu denen man sich Unterstützung suchen sollte. Viele Bauern seien trotz des wirtschaftlichen Erfolgs unzufrieden  - "weil sich der Landwirt ständig mit anderen vergleicht", hatte Steiner die Erklärung parat. Gegenseitige Wertschätzung in der Familie, auch im Verhältnis zwischen Vater und Hoferben, würde manches Problem entschärfen. "Net gschimpft is g’lobt gnua“, reiche oftmals nicht aus. Vielmehr müsse auf dem Hof eine Gesprächskultur um sich greifen. Nicht "schneller, größer, weiter" könne das Motto für landwirtschaftliche Betriebe sein, sondern Alt und Jung müssten sich auf die gewachsenen Wurzeln konzentrieren.

Die beiden Bankvorstände Josef Müller von der Raiffeisenbank Geisenhausen und Anton Schaumeier von der VR-Bank Vilsbiburg hatten zu Beginn der Veranstaltung in der Begrüßung davon gesprochen, dass beide Geldinstitute viele Gemeinsamkeiten verbinde. Für die Besucher war es offensichtlich, dass die Zeichen auf Zusammenschluss der beiden Banken stehen. Wie in der Presse mitgeteilt worden war, ist die Fusion für das Jahr 2017 geplant. (Peter Köppen, Vilsbiburger Zeitung, 21.02.2017)

Bild (von links): Referent Benno Steiner, Vorstand Josef Müller, die beiden Leiter für Firmenkunden Manfred Giglberger und Robert Dachs und Vorstand Anton Schaumeier. (von links)