Neue „VR-Bank Isar-Vils“ ins Auge gefasst

Raiffeisenbank Geisenhausen will sich mit Vilsbiburg zusammenschließen

Bei der sehr gut besuchten Generalversammlung der Raiffeisenbank Geisenhausen am Dienstagabend im Festsaal der Brauhausstuben stellten Vorstand und Aufsichtsrat den Mitgliedern eine schwerwiegende Veränderung vor: Es ist geplant, das Geldinstitut mit der VR-Bank Vilsbiburg zusammenzuschließen. Der neue Name soll dann „VR-Bank Isar-Vils“ lauten. Wolfram Thoma schied turnusgemäß aus dem Aufsichtsrat aus, wurde jedoch einstimmig in das Amt wieder gewählt.

Vorstandssprecher Josef Müller sprach in seinem Rechenschaftsbericht von einem "sehr erfolgreichen Geschäftsjahr" und stellte seine Bank als stabilen Gewerbesteuerzahler dar. Die Bilanzsumme habe auf über 322 Millionen Euro gesteigert werden können, was einem überdurchschnittlichen Wachstum gleichkomme. Vom Bilanzgewinn von über einer halben Million Euro wird eine Dividende in Höhe von vier Prozent auf das Geschäftsguthaben der Mitglieder ausgeschüttet: "Eine tolle Verzinsung", wie Müller in seinen Ausführungen meinte.

Trotz der positiven Zahlen gestand der Vorstandssprecher Probleme ein: Diese seien der "regulatorische Wahnsinn durch den Gesetzgeber", womit die vielen Bestimmungen für die Banken gemeint waren. Die Papierflut werde immer größer und damit auch die Verwaltungsarbeit. Als zweites großes Risiko der Banken sei die historische Niedrigzinsphase zu sehen. Der Satz "es gibt keinen Zins mehr" sei umgangssprachlich richtig. Positive Zinsen würden nur noch für Risiko bezahlt. Die Summe der vielfältigen Herausforderungen für die Banken bezeichnete Müller als "Erdbeben".  Aus diesen Gründen hätten sich Vorstand und Aufsichtsrat entschlossen, mit der VR-Bank Vilsbiburg den Zusammenschluss zu suchen.

Bankgebäude bleiben bestehen

Trotz aller Emotionen bezüglich dieses Vorgehens mahnte der Sprecher an, betriebswirtschaftliche Aspekte zu beachten. "Wenn Sie als Radfahrer einem Berg näher kommen, müssen Sie rechtzeitig den richtigen Gang wählen", veranschaulichte Direktor Müller. "Daher ist es notwendig, dass wir entscheiden, solange wir noch Kraft in den Beinen haben". Der daraus folgende Dialog mit der Vorstandschaft der VR-Bank Vilsbiburg sei zielführend verlaufen. Wenn man die neue Bank mit Zahlen unterlege, dann hätte sie mehr als 11.000 Mitglieder, über 35.000 Kunden und eine Bilanzsumme von über 875 Millionen Euro. Die neue VR-Bank Isar-Vils wäre dann die größte Kreditgenossenschaft im Landkreis Landshut. Im Vergleich zu anderen regionalen Banken bleibe sie dennoch "relativ gesehen eine kleine Bank".
Einer der wichtigsten Aspekte sei, dass alle Mitarbeiter beider Banken übernommen werden könnten. Gegenwärtig gebe es dann fünf Vorstände, die mittelfristig bis langfristig auf zwei bis drei Vorstände reduziert werden sollen, so Müller. Der wirtschaftliche Sitz verbleibe in Vilsbiburg und in Geisenhausen. Das bedeute, dass die Bankgebäude in Geisenhausen weiterhin genutzt werden sollen.

Angesichts dieser grundlegenden Änderungen liefen die protokollarischen Vorgänge der Generalversammlung reibungslos über die Bühne: Nach dem Bericht des Aufsichtsratsvorsitzenden Walter Deinböck entlastete die Versammlung die Gremien der Bankführung jeweils einstimmig. Die erneute Wiederwahl des ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieds Wolfram Thoma bestätigte die bisherige Zusammensetzung: Walter Deinböck als Vorsitzender, Andreas Kletzmeier als sein Stellvertreter, dazu Barbara Wohanka und Wolfram Thoma. Direktor Michael Findelsberger führte die Versammlung flott und geräuschlos durch den Paragraphen- und Bestimmungsdschungel. (Vilsbiburger Zeitung, 30.06.2016-Peter Köppen)

Foto: Beinahe bis auf den letzten Platz war der Festsaal der Brauhausstuben bei der Generalversammlung der Raiffeisenbank gefüllt. Foto. Peter Köppen
Foto: Für 50-jährige Mitgliedschaft bei der Raiffeisenbank Geisenhausen wurden anlässlich der Generalversammlung folgende Damen und Herren geehrt: Franz Bauer, Josef Bauer, Alois Breitenwinkler, Konrad Dietl, Katharina Lehrhuber, Albert Lehrhuber, Johannes Piller, Josef Ramsauer, Alois Simbürger, Josef Thaler und Joseph Wiedenbeck.

Kompetenz bleibt vor Ort

Nur wenige Änderungen für die Kunden

Mit der geplanten neuen VR-Bank Isar-Vils werde sich für die Kunden wenig ändern. Dies versprach Direktor Josef Müller in seinen Ausführungen anlässlich der Generalversammlung.

"Ihre Ansprechpartner bleiben", versicherte der Vorstandssprecher und meinte, dies sei ihm sehr wichtig. Weiter würden die Kompetenzen vor Ort bleiben, und damit könnten sich kurze Entscheidungswege erhalten. Die Anlaufstellen mit den Schaltern und den Selbstbedienungsgeräten würden bei einer Fusion verbleiben. Als Standorte sollen Geisenhausen, Kumhausen und Landshut gestärkt werden, während Müller für die Filiale in Reichlkofen nur für die Jahre 2016 und 2017 eine Garantie abgab. Die langfristige Perspektive dieser Geschäftsstelle werde man mit der Bürgermeisterin diskutieren und dann entscheiden.

Ein weiterer Vorteil für den Kunden nach der Fusion sei die Möglichkeit, zusätzliche Spezialisten als Berater zu erhalten. So würden beispielsweise neue Leistungen wie die Hausverwaltung angeboten. Als letzten Vorzug des Zusammenschlusses führte Müller an, dass "mit mehr Geschäft im Kreditbereich" Zusatzerträge erzielt werden können.
Ein Genossenschaftsmitglied monierte, dass mit den neuen Kontenmodellen Überweisungen kostspielig geworden seien. Die Dame bat darum, die Regelungen kundenfreundlicher zu verändern. Sachorientiert erläuterte Direktor Müller, die Bank sei zu diesem Vorgehen "betriebswirtschaftlich gezwungen".  Es sei ihm klar gewesen, dass „viele Kunden nicht hurra schreien werden". Ein zweiter Sprecher regte an, künftig auch den Aufsichtsrat - ähnlich wie den Vorstand - zu verkleinern. Walter Deinböck deutete als Vorstand dieses Gremiums an, dies sei mittelfristig ins Auge zu fassen. (Vilsbiburger Zeitung, 30.06.2016 - Peter Köppen)